Am 11. Februar 2026 luden die Gemeinden Wohltorf und Aumühle zu einer Einwohnerversammlung, rund 60 Interessierte kamen. Das Thema: die kommunale Wärmeplanung. Beide Gemeinden hatten zuvor das Planungsbüro AR Climate Positive beauftragt, den gesetzlich vorgeschriebenen Plan laut Wärmeplanungsgesetz von 2024 vorzulegen. Das Ziel: Wie können beide Gemeinden bis 2040 klimaneutral werden? So sieht es jedenfalls das entsprechende Landesgesetz für Schleswig-Holstein vor. Da in beiden Gemeinden das Wohnen überwiegt, sind die Gebäudesanierung bzw. -dämmung und das klimaneutrale Heizen wichtige Stellschrauben. Die Frage dabei: Wo sind Wärmenetze möglich und umsetzbar oder wo bietet sich eine dezentrale Versorgung an?
Diplom-Ingenieur und Stadtplaner Richard Mühlmann vom Planungsbüro stellte die wesentlichen Ergebnisse vor, betonte aber auch zugleich, dass es große Unsicherheiten gebe, da die aktuelle Bundesregierung zwar angekündigt habe, das derzeitige „Heizungsgesetz“, das eigentlich Gebäudeenergie-Gesetz heißt, abzuschaffen bzw. in Gebäudemodernisierungs-Gesetz umzubenennen. „Die Koalitionsparteien können sich derzeit nicht einigen, es ist völlig unklar, wohin die Reise geht“, sagte Richard Mühlmann.
Die Bestandsanalyse
Das Planungsbüro hatte zunächst recherchiert, welches der überwiegende Gebäudetyp in den Gemeinden ist, wie aktuell geheizt wird und wie hoch jeweils die Wärmedichte ist – dies ist vor allem für die Frage wichtig, ob in dem Gebiet ein Wärmenetz effizient betrieben werden könnte. In Aumühle stammen die überwiegenden Gebäude aus den Jahren 1949 bis 1978, zu mehr als 90 Prozent für Wohnen genutzt. Der Energieverbrauch liegt pro Einwohner mit durchschnittlich 11.000 Kilowattstunden pro Jahr deutlich höher als der bundesweite Durchschnitt (7.000 Kilowattstunden). Grund sind die vielen großen Einzelgebäude, die mehr Energie für das Heizen benötigen. Etwas besser sieht es in Wohltorf aus mit 9.600 Kilowattstunden pro Einwohner und Jahr. Die Treibhausgas-Emissionen in Aumühle stammen zu 40 Prozent aus der Gasverbrennung, ein Viertel steuern Ölheizungen bei, fünf Prozent kommen durch Wärmepumpen zustande, da im aktuellen Strommix noch konventionelle Energieerzeugung steckt, die hier berücksichtigt ist. Eine Ausnahme bildet Friedrichsruh, das aktuell schon teilweise über Fernwärme versorgt wird.
Die Potenzialanalyse
Was lässt sich nun in unseren Gemeinden umsetzen, um klimaneutral zu werden? In Aumühle stehen keine freien Flächen für Großanlagen zu Verfügung, auch verbieten Natur- und Gewässerschutz größere Eingriffe. So scheint vor allem eine dezentrale Versorgung, zum Beispiel über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für jedes Haus, sinnvoll, in einigen Gebieten eventuell auch Großwärmepumpen für mehrere Gebäude. In unmittelbarer Nachbarschaft des Augustinums könnte ein Wärmenetz sinnvoll sein, indem hier die gewerbliche Abwärme der Refresco Group (Fürst-Bismarck-Quelle) aus Reinbek genutzt wird. Hinzu kommen die Möglichkeiten, dass rund um die Grundschule eine gebäudeübergreifende Wärmeversorgung sinnvoll scheint sowie in der Großen Straße ein energetisches Quartierskonzept und Sanierungsmanagement – dafür gibt es ein Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit einer Finanzierung bis zu 75 Prozent. Der Wärmeplan sieht vor, dass diese drei Möglichkeiten in den nächsten ein bis drei Jahren überprüft und entschieden werden.

In Wohltorf, sagte Mühlmann, gebe es ebenfalls viele Einschränkungen, aber auch mehr Flächen für Großanlagen. Für viele Gebiete scheint auch hier die dezentrale Versorgung mittels Luft-Wasser-Wärmepumpe in jedem Haus sinnvoll, zudem könnte die Oberflächen-Geothermie eine Option sein, oder auch Wärmegewinnung über feste Biomasse wie Holzhackschnitzel oder Pellets. Ergänzend könnten in Wohltorf Wärmespeicher und Power-to-Heat-Anlagen zum Einsatz kommen, also die Umwandlung von überschüssigem Strom, primär aus erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarkraft, in nutzbare Wärmeenergie. Ein höherer Wärmebedarf existiert in Bahnhofsnähe entlang des Billgrunds mit einigen Mehrfamilienhäusern. Auch für die Eschenbruch- und die Querkampsiedlung könnte ein Nahwärmenetz geprüft werden.
Das Zielszenario
Neben der dringend notwendigen Sanierung und Wärmedämmung von Gebäuden wird in beiden Gemeinden vor allem die dezentrale Versorgung, zum Beispiel mit Wärmepumpen, empfohlen. Richard Mühlmann stellte klar, dass Wärmenetze zwar komfortabel seien, auch bräuchte es dann weniger Sanierung, weil die Wärmenetze meist eine hohe Vorlauftemperatur hätten. Aber sie erforderten hohe Investitionen. Zudem seien die Kunden dann an einen Versorger gebunden und an dessen Preisentwicklung. Schließlich sei der Energieverbrauch insgesamt am geringsten, wenn der Schwerpunkt auf der dezentralen Versorgung liege. (Anmerkung der Autoren: In vielen Fällen ist bei der dezentralen Versorgung eine energetische Sanierung zwar sinnvoll, aber nicht unbedingt notwendig, da moderne Wärmepumpen inzwischen bis zu 70 Grad Vorlauftemperatur erreichen. Durch einen Heizungstausch ist häufig bei gleichem finanziellen Einsatz viel mehr zu erreichen als durch aufwändigere Sanierungsmaßnahmen. Es gibt mittlerweile viele Beispiele, auch in unseren Gemeinden, für den erfolgreichen Einsatz von Wärmepumpen, bei dem vorher nichts am Haus gemacht wurde.)
Im Wärmeplan hat das Planungsbüro verschiedene Maßnahmen mit ihren Kosten genauer aufgeschlüsselt und auch so genannte Steckbriefe formuliert für die konkreten Schritte und Ziele. Darüber müssten nun die Gemeindevertretungen entscheiden. Der Plan nennt zudem konkrete Fokusbereiche, in denen die Errichtung von Wärmenetzen geprüft oder in denen durch Beratung und Förderung auch energetische Maßnahmen beschleunigt werden könnten.
Im Gesetz ist es derzeit vorgesehen, dass der Wärmeplan der Gemeinden alle fünf Jahre überprüft und fortgeschrieben wird. Derzeit überprüft auch ein Energiemanager des Amtes Hohe Elbgeest die Energiebedarfe der öffentlichen Gebäude.
Noch bis zum 12. März 2026 sind die Wärmepläne für Wohltorf und für Aumühle öffentlich zugänglich auf den Internetseiten des Amtes Hohe Elbgeest. Wohltorfs Bürgermeisterin Susann Kröger lud alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich mit den Plänen zu beschäftigen und Stellung dazu zu nehmen, am besten über die E-Mail-Adresse .
Fragen beantwortet auch die Klimaschutzmanagerin des Amtes, Jenny Sue Wilson, Tel. 04104 990-423, E-Mail:
RENO BASTIAN, STEFAN BÄRENZ, ARND SCHWEITZER